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03.04.2012:
Zitate aus Zeitungen verboten?
Wirrwarr des Urheberrechts

Am heutigen Tage beschloss Libri, nach den Gerichtsentscheiden gegen Nutzer von Zeitungsrezensionen folgendes: Zitat Libri:

"Sehr geehrte Damen und Herren,
wie Sie möglicherweise mit verfolgt haben, gab es bezüglich des Zitierens von Presse-Rezensionen einen lang andauernden Rechtsstreit zwischen zwei deutschen Tageszeitungen und einem Onlineportal. Im Ergebnis wurde durch das Oberlandesgericht Frankfurt festgestellt, dass auch die Verwendung von kurzen Zitaten aus Rezensionen finanzielle Forderungen des jeweiligen Medienkonzerns nach sich ziehen kann. (Weitere Informationen zum Rechtsstreit finden Sie unter folgendem Web-Eintrag:
http://irights.info/blog/arbeit2.0/2011/11/01/nach-6-jahren-rechtsstreit-urteil-zu-faz-sz-gegen-perlentaucher/ )
Aus diesem Grund hat sich Libri entschlossen, bis auf Weiteres alle Produkt-Annotationen mit Bezug auf Presserezensionen aus den beiden klagenden Verlagshäusern aus seiner Titeldatenbank zu löschen. Parallel wurde die Neuaufnahme solcher Annotationstexte unterbunden. Die Verlagsprodukte selbst sind von dieser Maßnahme natürlich nicht betroffen und werden weiter angeboten. Prinzipiell besteht die hier aufgezeigte Problematik möglicher Rechtsverletzungen bei jedem Zitat aus Rezensionen jeglichen Rechteinhabers, also nach unserem Erachten auch im Zusammenhang mit allen anderen Medien und Medienhäusern, gleichgültig ob aus Presse, Hörfunk, TV oder Internet. Die Kosten, die der Libri GmbH oder Libri-Kunden aus der Verfolgung von Rechtsansprüchen eines Rechteinhabers entstehen können, werden wir oder die Libri-Kunden den Verlagen als den verantwortlichen Verwendern der jeweiligen urheberrechtlich geschützten Textpassagen durchreichen.

Zu Ihrer eigenen Sicherheit empfehlen wir Ihnen, die betroffenen Annotationen aus Ihren Produktbeschreibungen zu überarbeiten und auf Zitate (insbesondere aus Publikationen der beiden Verlagshäuser) vollständig zu verzichten. Wenn Sie weiterhin von Zitaten aus Veröffentlichungen anderer Rechteinhaber in Ihren werbenden Texten Gebrauch machen möchten, sollten Sie mit dem jeweiligen Rechteinhaber die Übernahme des Zitates im Vorfeld rechtssicher abklären. [...]"


Im Klartext heißt das, in Klappentexten, Buchbeschreibungen, bei Amazon und auch auf Homepages dürfen Rezensionen nicht mehr zur Produktvermarkung genutzt werden. Damit gewinnen die klagenden Zeitungen zwar einen ewiglangen Prozess aber weiterhin auch an ihrer Bedeutungslosigkeit als Rezensenten und Stimmungsmacher der Buchbranche. Kulturzerstörung durch gigantische Medienkartelle ist bekanntlich nichts Neues.


T.H.